Der 3. Advent - Die Festtafel

Richtiges Eindecken eines Mehrgang-Menüs

Sonntag, 14. Dezember 2014

Die Feiertage rücken näher und die Einladungen zu festlichen Anlässen werden häufiger.

Viele, die zum ersten Mal Gastgeber sein dürfen, sind nervös und verunsichert, ob sie alles "richtig" machen.

Einiges kann man natürlich vorher nicht üben und muss hoffen, dass es am entsprechenden Tag auch gut klappt, bei anderen Sachen lässt sich die Unsicherheit aber einfach vermeiden. So ist der erste Eindruck schon entscheidend. Wenn sich die Gäste willkommen fühlen und alles festlich hergerichtet ist, kann man viel leichter über etwas zu weiche Kartoffeln und eine etwas zu wenig gesalzene Suppe hinweg sehen.

Und darum möchte ich heute zeigen, wie man für ein mehrgängiges Menü richtig eindeckt. Oft sind es nur Kleinigkeiten auf die man achten sollte und einige Fehler lassen sich durch dumme Eselsbrücken einfach vermeiden.

Was selbst in vielen Restaurants nicht vernünfig gemacht wird, ist die Positionierung der Stühle am Tisch. Bevor man also anfängt Teller und Besteck auf dem mit einer Tischdecke bedeckten Tisch zu verteilen, sollte man sich daher überlegen, wie viele Gäste Platz finden sollen:

Bei einer geraden Anzahl von Gästen sollten sich die Gäste immer genau gegenüber sitzen. Der Abstand zu den Tischnachbarn und zum Tischende sollte idealerweise gleichmäßig sein.

Hat man eine ungerade Gästeanzahl - sagen wir zum Beispiel 5 - rate ich davon ab, jeweils zwei genau gegenüber zu setzen und die 5. Person "alleine" / ohne gegenüber. Die Person hat es so viel schwerer sich ins Gespräch einzufinden und fühlt sich eher ausgegrenzt. Bei einem kleinen Tisch besteht die Möglichkeit die 5. Person vor Kopf zu setzen. Bitte beachtet dabei, dass die Gedecke der anderen dadurch etwas mehr zum anderen Tischende rutschen müssen, damit die Armfreiheit aller Gäste gegeben bleibt.
Eine andere Möglichkeit ist die Gäste im "Zickzack" zu setzen. Auf der einen Tischseite sitzen dann in unserem Fall drei Gäste und auf der anderen Seite zwei Gäste. Sie sitzen dabei aber versetzt, sozusagen auf Lücke.

Wichtig ist in jedem Fall, dass überzählige Stühle am Tisch nichts verloren haben. Essen 5 Personen am Tisch, werden auch an einem Tisch an dem sonst 6 Stühle stehen, bei diesem Essen nur 5 Stühle bereit stehen. Schließlich ist das gesamte Essen genau für diese Personen geplant und das Gefühl sollten die Gäste vom ersten Moment an haben! 

Wir wissen nun also wie unsere Stühle stehen und werden von nun an alles andere danach ausrichten. Ich finde nichts unangenehmer, als wenn ich mich im Restaurant an einen Tisch setze und mein Gedeck erstmal meinem Platz anpassen oder mit dem Stuhl hin und her rutschen muss! 

Das Eindecken

Das Eindecken beginnt dann mit dem Platzteller. Ein Platzteller wertet die Tafel enorm auf. Bei der Anschaffung würde ich aber darauf achten, dass sie möglichst neutral sind, damit sie zu jeder Deko passen. Eine einfache und günstige Alternative sind schlichte Sets oder Tortenspitze.

Der Platzteller bildet den Mittelpunkt des Gedecks und sollte daher mit besonderer Sorgfalt platziert werden. Die Ausrichtung sollte bei gerader Gästeanzahl exakt gegenüber des gegenüberliegenden Platzes sein. Der Platzteller sollte dabei etwa einen Fingerbreit von der Tischkante entfernt stehen, damit der Gast nicht versehendlich bei Platznehmen oder Aufstehen daran hängen bleiben kann.

Das Besteck wird nun am Platzteller ausgerichtet. Dabei ist zu beachten, dass man sich bei einem Menü von außen nach innen am Besteck bedient. Das Besteck für den ersten Gang liegt also außen, das Hauptgangbesteck innen. Eingedeckt wird andersherum.

Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeit die Bestecke zu platzieren. Ich persönlich finde eine schräge Anordnung etwas hübscher als eine gerade. Außerdem spart sie etwas Platz, was bei vielen Gästen pro Tisch entscheidend sein kann.

Ich werde hier für ein 4-Gang Menü eindecken, bestehend aus Suppe, Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Was nicht benötigt wird, kann man entsprechend weggelassen.

Zuerst nehmen Hauptgangbesteck und Vorspeisenbesteck ihre Plätze ein. Wer keine spezielles Vorspeisenbesteck hat - wie ich - deckt also 2-mal normales Besteck ein. 

Wer Probleme hat sich zu merken was auf welche Seite gehört:

Die GabeL liegt links, das MesseR rechts!

 

Die für einen Gang zusammengehörenden Besteckteile sollte immer auf einer Höhe (also mit jeweils gleichem Abstand zur Tischkante) und mit gleichem Abstand zum Platzteller liegen. Wählt man wie ich die diagonale Anordnung ist darauf zu achten, dass die Gabeln bei allen Gedecken im gleichen Winkel liegen. Ich orientiere mich an den Zinken der Gabel und lege die äußere Gabel mit dem Beginn der Zinken an die gedachte Grade am Ende des Gabelkopfes für den Hauptgang.

Der Suppenlöffel liegt auf der rechten Seite. Das dürfte den meisten Rechtshändern natürlich vorkommen.

Bei der Platzierung des Löffels wird entweder der Winkel der Messergriffenden beibehalten oder der Löffel auf gleicher Höhe des Hauptgangmessers abgelegt. Das ist Geschmacksache. 

Das Dessertbesteck wird mittig, oberhalb des Gedecks platziert. Viele haben Probleme sich zu merken, wie es liegen muss. Einfach ist es, wenn man sich vorstellt, dass man Löffel und Gabel von den Seiten nach oben schiebt und im rechten Winkel kippt. Die Gabel liegt also mit dem Griff nach links, der Löffel mit dem Griff nach rechts. Und bei der Frage, was nun näher am Teller liegt gilt:

Er (DER Löffel) liegt auf ihr (DIE Gabel)! ;-)

Das Besteck ist damit vollständig. Bitte achtet darauf, dass die Besteckteile auf einer Linie mit den Besteckteilen des gegenüberliegenden Platzes abgelegt werden.

Die Ausrichtung der Gläser wird an der Lage des Bestecks vorgenommen und man beginnt immer mit dem Glas für den Hauptgang. Um diese Jahreszeit dürfte es sich um ein Rotweinglas handeln. Es wird im gedachten rechten Winkel zwischem dem Hauptgangmesser und der Nachtischgabel positioniert. Das Glas zur Vorspeise (klassischerweise Weißwein) folgt dann dem Winkel des Bestecks:

Betrachtet man den gesamten Tisch, sollten die Gläser jeweils in einer Reihe stehen, wie ich es hier am Beispiel der Rotweingläser zeige:

Die weiteren Schritte hängen davon ab, ob die Speisen einzeln auf den Teller in der Küche angerichtet und serviert (Amerikanische Serviermethode) oder ob die Speisen in Schüsseln auf den Tisch gestellt werden (Deutsche Serviermethode).

Werden die Speisen in der Küche angerichtet, sind die Gedecke nun fertig und werden mit einer Serviette versehen und dekoriert, wie zum Beispiel hier:

Bei der Deutschen Methode werden die Teller direkt für alle oder wenigstens einen Teil der Gänge mit eingedeckt.

Ich lege dann gerne eine dezente Papierserviette auf dem Platzteller, um das Klappern der Teller zu reduzieren. Dann wird der Teller für den Hauptgang  eingesetzt. 

Der Vorspeisenteller kommt bei Bedarf dazu. Mehr als 2 Gänge würde ich aber nicht eindecken. Sonst isst man die ersten Gänge auf einem Stapel Teller!

Ich selbst decke normalerweise nur den Hauptgang ein und serviere die Vorspeisen auf Tellern angerichtet nacheinander.

Deckt man nur einen Teil der Teller ein und serviert die Speisen dennoch nacheinander zur Selbstbedienung auf Platten, darf man nicht vergessen die richtigen Teller vor den jeweiligen Gängen nachzudecken!

Zum Schluss bekommt jeder Gast noch eine Serviette. Dabei ist es Geschmacksache, ob man die Serviettenform nach dem jeweiligen Platz ausrichtet oder die Formen alle zum Eingang des Raumes dreht. Das macht den Eintritt in den Raum und den ersten Blick auf die Tafel besonders eindrucksvoll, hat aber den Nachteil, dass sich die Gäste ihre Servietten beim Platznehmen einzeln zurecht drehen werden. Serviettenformen, die von allen Seiten gleich schön sind, verhindern dieses Problem:

In der kommenden Woche werde ich Euch ein paar Alternativen zur Deko einer Weihnachtstafel zeigen, die den Gesamteindruck der Tafel abrunden.

Ich hoffe, dass jetzt einige Unsicherheiten beseitigt sind und Du Freude daran hast, Deinen Tisch einzudecken. Denn wie sagt man so schön: Das Auge isst mit!

Solltest Du noch Fragen haben, lass es mich wissen. Vieles, das schwierig scheint, ergibt sich mit dem Ausprobieren und der Routine. Das Wichtigste ist aber immer, dass man sich Zeit für seine Gäste nimmt. Denn darauf kommt es bei einem schönen Abend an einer Festtafel ja eigentlich nur an!

In diesem Sinne:

Lebe lecker,
Eure Lorraine  

 

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